Mikroplastik

Die EFSA bewertet Mikroplastik bis 2027 — was bekannt ist und was nicht

Der Nachweis ist geklärt, Exposition und Wirkung nicht. Warum manche Studien den Übergang überschätzen könnten und drei Fragen, die Substanz von Rauschen trennen.

Die EFSA bewertet Mikroplastik bis 2027 — was bekannt ist und was nicht

Mikroplastik wurde in Muscheln, Fleisch, Honig, Gemüse, Bier und Speisesalz nachgewiesen. Dieser Satz ist zutreffend, wird vielfach wiederholt und sagt nichts darüber aus, ob davon jemand Schaden nimmt. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit nahm am 5. Dezember 2025 ein Mandat des Europäischen Parlaments an, die Gesundheitsrisiken von Mikroplastik in Lebensmitteln, Wasser und Luft zu bewerten; die Bewertung läuft bis zum 31. Dezember 2027. Bis dahin lautet die eigene Position der EFSA, dass sie zu möglichen Gesundheitswirkungen keine Schlussfolgerungen ziehen kann — eine Aussage, die man in beide Richtungen ernst nehmen sollte.

Was feststeht

Der Nachweis ist geklärt. Mikroplastikpartikel wurden in einer Reihe von Lebensmitteln identifiziert, und die Analytik hat sich so weit verbessert, dass das Auffinden nicht mehr der schwierige Teil ist.

Ungeklärt sind Exposition und Wirkung. Zu wissen, dass Partikel vorhanden sind, sagt nicht, wie viele ein Mensch aufnimmt, ob sie resorbiert werden, was dann geschieht und ab welcher Menge irgendetwas davon relevant wäre. Das sind getrennte Fragen, und jede verlangt Methoden, die erst noch standardisiert werden.

Das Messproblem liegt allem zugrunde

Die EFSA hat darauf hingewiesen, dass ein Teil der vorliegenden Studien den Übergang von Mikroplastik aus Lebensmittelkontaktmaterialien in Lebensmittel überschätzen könnte. Das ist ein technischer Punkt mit großen Folgen.

Partikel von wenigen Mikrometern in einer Lebensmittelmatrix zu messen, ohne die Probe mit Kunststoff aus dem Labor selbst zu verunreinigen, ist ausgesprochen schwierig. Fasern aus Kleidung in der Raumluft, Laborgeräte aus Kunststoff und die Probenhandhabung können Partikel beisteuern, die nie im Lebensmittel waren. Sind die Kontrollen einer Studie schwach, fällt das Ergebnis zu hoch aus. Das ist kein Grund, das Feld abzutun; es ist ein Grund, sorgsam auszuwählen, welche Zahlen weitergetragen werden.

Dieselbe Vorsicht gilt für Angaben zu Trinkwasser. In Europa durchgeführte Studien berichten eine breite Spanne von Konzentrationen, und Vergleiche zwischen Ländern oder Studien spiegeln häufig methodische Unterschiede statt Unterschiede im Wasser.

Warum die Bewertung über die Lebensmittelsicherheit hinaus zählt

Die EFSA-Bewertung soll bis zum 31. Dezember 2027 abgeschlossen sein, und ihre Ergebnisse dürften die künftige EU-Politik zu Mikroplastik prägen. Damit ist sie weit außerhalb des Lebensmittelsektors folgenreich.

Die bisherige EU-Politik musste ohne abgeschlossene Risikobewertung auskommen. Die seit Dezember 2025 geltende Verordnung zur Vermeidung von Kunststoffgranulatverlusten ist das klarste Beispiel: Sie zielt auf einen konkreten, vermeidbaren industriellen Pfad und hängt nicht davon ab, die Gesundheitswirkungen der Partikel zu kennen. Unter Unsicherheit war das ein vertretbarer Weg. Weitergehende Beschränkungen — bei Materialien, Produkten oder Expositionsgrenzwerten — setzen realistischerweise voraus, dass die Wissenschaft zuvor Ergebnisse liefert.

Wie sich Berichte über Mikroplastik einstweilen lesen lassen

Drei Fragen trennen brauchbare Berichterstattung vom Rauschen.

  1. Geht es um Nachweis oder um Wirkung? Die meisten Schlagzeilen beschreiben Nachweise. Der Nachweis ist jedes Jahr leichter geworden, steigende Fundzahlen bilden also teilweise bessere Geräte ab und nicht eine schlechtere Umwelt.
  2. Wie sahen die Blindwerte aus? Eine Studie, die Verfahrensblindwerte berichtet und für Laborkontamination kontrolliert, leistet den schwierigen Teil. Eine, die das nicht tut, misst womöglich ihre eigene Ausrüstung.
  3. Wird eine Dosis behauptet? Aussagen zum Gesundheitsrisiko erfordern eine Expositionsschätzung und eine Dosis-Wirkungs-Beziehung. Fehlen beide, ist die Aussage eine Extrapolation, gleich in welche Richtung.

Nichts davon spricht für Sorglosigkeit. Kunststoffpartikel in der Nahrungskette sind unabhängig davon, was die Toxikologie am Ende zeigt, ein unerwünschtes Ergebnis, und ihre Verringerung lohnt sich aus Vorsorgegründen. Es spricht dafür, den Wissensstand präzise zu beschreiben — und das heißt derzeit: Die Bewertung läuft, die Antwort steht aus.

Häufig gestellte Fragen

Hat die EFSA festgestellt, dass Mikroplastik der Gesundheit schadet?

Nein. Die EFSA hat keine vollständige Risikobewertung von Mikroplastik und Nanoplastik in Lebensmitteln abgeschlossen und erklärt, derzeit keine Schlussfolgerungen zu möglichen Gesundheitswirkungen ziehen zu können. Die Bewertung läuft bis zum 31. Dezember 2027.

Wann begann die EFSA-Bewertung zu Mikroplastik?

Die EFSA nahm am 5. Dezember 2025 ein Mandat des Europäischen Parlaments zur Bewertung der Gesundheitsrisiken von Mikroplastik in Lebensmitteln, Wasser und Luft an; der Abschluss ist für den 31. Dezember 2027 vorgesehen.

In welchen Lebensmitteln wurde Mikroplastik nachgewiesen?

Mikroplastik wurde unter anderem in Muscheln, Fleisch, Honig, Gemüse, Bier und Speisesalz nachgewiesen. Der Nachweis sagt jedoch nichts über Expositionshöhen oder Gesundheitswirkungen aus.

Warum könnten vorliegende Studien den Übergang überschätzen?

Die EFSA hat angedeutet, dass ein Teil der aktuellen Studien den Übergang von Mikroplastik aus Lebensmittelkontaktmaterialien überschätzen könnte. Partikel von wenigen Mikrometern ohne Kontamination aus Laborquellen zu messen, ist technisch anspruchsvoll.

Weiterführend: Unsere Beiträge zu Mikroplastik verfolgen Eintragspfade und Evidenz, Kunststoffrecycling erklärt, an welcher Stelle des Materialkreislaufs Partikel entstehen, und Kreislaufwirtschaft beschreibt den politischen Rahmen, in den diese Fragen einfließen.

Quellen: EFSA, Mikroplastik und Nanoplastik in Lebensmitteln; Berichterstattung zur Annahme des Mandats des Europäischen Parlaments vom 5. Dezember 2025 und zur Frist 31. Dezember 2027; EFSA-Hinweis auf mögliche Überschätzung des Mikroplastikübergangs aus Lebensmittelkontaktmaterialien.

Robert Karbowy
Geschrieben von

Head of Quality, Plastic Trader
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