Danone hat als letzter der drei großen Getränkeabfüller eingelenkt, gegen die Europas Verbraucherschützer seit 2023 vorgehen. Am 22. Oktober 2026 machte die Europäische Kommission die Zusagen des Konzerns öffentlich. Coca-Cola und Nestlé Waters hatten ihre Gespräche mit den Behörden schon früher beendet. Wirbt Danone künftig auf Flasche oder in der Werbung mit 100 Prozent Rezyklat, ist damit nur noch der Flaschenkörper gemeint. Deckel und Etikett zählen nicht dazu. Der Hinweis darauf muss so gut sichtbar sein wie die Prozentzahl. PET-Neuware darf nicht als Rezyklat gelten. Die Unternehmen betonen, dass ihre Zusagen kein Eingeständnis eines Rechtsverstoßes sind. Für den Markt für recyceltes PET setzen die Regeln trotzdem einen Maßstab, der über diese drei Marken hinausreicht.
Was Danone zugesagt hat
Zuerst geht es um eine engere Lesart der Prozentangabe. Steht auf einer Danone-Flasche „100 % Rezyklat“ oder „100 % rPET“, also recyceltes PET, gilt das nur für den Flaschenkörper. Deckel und Etikett sind nicht gemeint. Eine Ausnahme gibt es nur, wenn das Unternehmen die Angabe auch für diese Teile belegen kann. Die Einschränkung muss direkt in der Aussage stehen. Sie darf nicht kleiner oder unauffälliger sein als die Zahl selbst.
Die zweite Regel betrifft das Material. In Flaschen, die als 100 % Rezyklat beworben werden, zählt PET-Neuware nicht als recycelt. Dasselbe gilt für Produktionsabfälle aus Neuware. Anders ist es nur, wenn das Material ein Recyclingverfahren nach der Verordnung (EU) 2022/1616 durchlaufen hat. Diese Verordnung regelt recycelte Kunststoffe, die in der EU mit Lebensmitteln in Berührung kommen. Wie solche Verfahren in der Praxis ablaufen, beschreibt unser Leitfaden zum PET-Recycling.
Drittens dürfen Verpackung und Werbung nicht über Umwelteigenschaften täuschen. Für die Umsetzung gelten zwei Fristen. Die Etiketten muss Danone innerhalb von 18 Monaten nach Annahme der Zusagen anpassen. Vorhandene Etiketten dürfen aufgebraucht werden. Die digitale Kommunikation muss schon binnen drei Monaten stimmen.
Eine Beschwerde aus 13 Ländern
Den Anstoß gab der Europäische Verbraucherverband BEUC. Im November 2023 reichte er zusammen mit Mitgliedsorganisationen aus 13 Ländern Beschwerde ein. Unterstützung kam von ClientEarth und ECOS. Adressat war das CPC-Netz, in dem die Verbraucherschutzbehörden der EU-Staaten zusammenarbeiten. Das Verfahren koordinierten Behörden aus Ungarn und Schweden.
Die Beschwerde zielte auf drei Abfüller von Wasser und Getränken: Coca-Cola, Nestlé Waters und Danone. Die Gespräche endeten zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Coca-Cola schloss sie im Juni 2025 ab, Nestlé Waters im Februar 2026. Danone folgte nun als Letztes.
Coca-Cola und Nestlé Waters gehen in einem Punkt weiter. Sie verzichten auf Aufrufe wie „Recycle me again“ oder „Let’s meet again!“. Solche Sätze legen nahe, dass jede Flasche in einem geschlossenen Kreislauf wieder zur Flasche wird. Beide Unternehmen haben einen Teil der Änderungen bereits umgesetzt, vor allem in der digitalen Werbung. Auch hier halten alle drei fest, dass die Zusagen kein Eingeständnis von Verstößen sind.
Was die Recyclingzahlen hergeben
BEUC stützt seine Kritik auf zwei Schätzungen. Die Recyclingquote von PET-Flaschen in der EU liegt demnach bei 55 %. Die Chance, dass aus einer PET-Flasche wieder eine Flasche wird, beziffert der Verband auf rund 30 %. Mehr als die Hälfte der Flaschen wird also recycelt, aber nur ein kleinerer Teil kehrt als Flasche zurück. Der Rest wandert in andere Anwendungen oder gar nicht ins Recycling.
Daran setzt die Kritik an Slogans wie „Recycle me again“ an. Sie versprechen einen Kreislauf, den die Zahlen für die Mehrheit der Flaschen nicht abbilden. BEUC-Generaldirektor Agustín Reyna formuliert es deutlich: „Presenting a bottle as 100% recycled or recyclable is simply misleading and must stop.“ Eine Flasche als vollständig recycelt oder recycelbar darzustellen, sei schlicht irreführend und müsse aufhören.
Hinter der Regel zum Flaschenkörper steht auch ein technischer Punkt. Eine Getränkeflasche besteht aus mehreren Teilen. Der Deckel ist meist aus einem anderen Kunststoff als der Körper, das Etikett oft aus Folie oder Papier. Eine Prozentangabe ohne Einschränkung sagt deshalb nichts darüber, woraus diese Teile bestehen. Mit der neuen Formulierung ist klar, worauf sich die Zahl bezieht.
Der Fall zieht Kreise über drei Marken hinaus
Mit den Zusagen ist die Sache nicht erledigt. Nationale Behörden werden die Umsetzung überwachen. Die Kommission und das CPC-Netz erwägen zudem Gespräche mit Branchenverbänden, um weitere Abfüller einzubeziehen. Parallel läuft ein Streit vor Gericht. Ende Juni 2026 stufte ein Zivilgericht in Paris die Angaben „100 % recycelt“, „100 % recycelbar“ und „klimaneutral“ der Danone-Marke Volvic als irreführend ein. Es sprach der Verbraucherorganisation CLCV 75 000 EUR zu. Danone hat Berufung angekündigt.
Die Regeln für Werbeaussagen stehen neben den Vorgaben zur Rezyklatquote. Für das Ziel von 25 % Rezyklat in PET-Flaschen gilt seit dem 23. Juli 2026 der Durchführungsbeschluss (EU) 2026/1425. Er stützt sich auf die Einwegkunststoffrichtlinie und legt fest, wie Rezyklat gezählt, geprüft und gemeldet wird. PET-Rezyklat von außerhalb der EU zählt bis zum 21. November 2027 grundsätzlich nicht zum Ziel. Die Einfuhr bleibt aber legal, ein Importverbot ist das nicht. Welche Bedingungen für chemisches Rezyklat in PET-Flaschen gelten, haben wir separat aufgeschlüsselt.
Für rPET-Hersteller wird der Nachweis damit zum Verkaufsargument. Wer Material liefert, das ein Verfahren nach 2022/1616 durchlaufen hat und sich lückenlos belegen lässt, erfüllt genau die Anforderungen, an die sich Abfüller jetzt halten müssen. Abfüller in der ganzen EU sehen, wo die Behörden die Grenze ziehen: bei der Flasche als Ganzes, bei versteckten Einschränkungen und bei Kreislaufversprechen ohne Beleg. Wer heute mit Prozentzahlen auf dem Etikett plant, sollte seine Angaben an diesem Muster messen.
Häufige Fragen
Was bedeutet „100 % rPET“ auf einer Danone-Flasche künftig?
Die Angabe bezieht sich nur auf den Flaschenkörper, nicht auf Deckel und Etikett, solange das Unternehmen sie für diese Teile nicht belegen kann. Der Hinweis muss in der Aussage stehen und so sichtbar sein wie die Prozentzahl.
Wer hat die Beschwerde gegen die drei Abfüller eingereicht?
Der Europäische Verbraucherverband BEUC mit Mitgliedsorganisationen aus 13 Ländern, unterstützt von ClientEarth und ECOS. Die Beschwerde ging im November 2023 an das CPC-Netz, koordiniert wurde das Verfahren von Behörden aus Ungarn und Schweden.
Bis wann muss Danone Etiketten und Werbung anpassen?
Die Etiketten innerhalb von 18 Monaten nach Annahme der Zusagen, vorhandene Etiketten dürfen aufgebraucht werden. Die digitale Kommunikation muss binnen drei Monaten angepasst sein.