Die EU hat im Jahr 2024 42,4 % ihrer Kunststoffverpackungsabfälle recycelt, nach 41,6 % im Jahr davor. Eurostat hat die Zahlen am 22. Oktober veröffentlicht. Die Recyclingquote für Kunststoffverpackungen in der EU steigt damit nur langsam. Auch der Wert für 2023 wurde korrigiert: Eine frühere Veröffentlichung nannte noch 42,1 %. Pro Kopf fielen 2024 in der EU 35,9 kg Kunststoffverpackungsabfall an, davon gingen 15,3 kg ins Recycling. Beide Werte lagen um 0,6 kg über dem Vorjahr. Hinter dem Durchschnitt stehen große Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten. Lettland recycelt 71,0 % seiner Kunststoffverpackungen, Dänemark 22,5 %. Das EU-Ziel für Ende 2025 liegt bei 50 %.
Der Abfall wächst schneller als das Recycling
Über zehn Jahre fällt das Bild weniger freundlich aus als im Jahresvergleich. Von 2014 bis 2024 stieg das Aufkommen an Kunststoffverpackungsabfall pro Kopf um 6,1 kg. Die recycelte Menge pro Kopf wuchs nur um 3,4 kg. Die Quote steigt, doch die Menge, die nie recycelt wird, wird trotzdem größer.
Bei den Verpackungen insgesamt zeigt sich dasselbe Muster. 2024 fielen in der EU 81,5 Mio. Tonnen Verpackungsabfall an, das sind 181,0 kg pro Kopf. Gegenüber 2023 sind das 3,2 kg mehr pro Person, gegenüber 2014 sogar 19,6 kg. Papier und Pappe machten 40,8 % der Menge aus. Es folgten Kunststoffe mit 19,9 %, Glas mit 18,1 %, Holz mit 16,2 % und Metall mit 4,8 %.
Eine Recyclingquote misst einen Anteil, keine Menge. Sie setzt das Gewicht des recycelten Materials ins Verhältnis zum angefallenen Abfall. Wachsen beide Größen, kann die Quote steigen, während trotzdem mehr Material verbrannt oder deponiert wird. Hier stößt eine Kreislaufwirtschaft, in der Material in die Produktion zurückkehrt, an ihre Grenzen. Höhere Quoten helfen. Kleiner wird der Reststrom aber erst, wenn das Abfallaufkommen langsamer wächst.
Lettland vorn, Dänemark am Ende
Die Länderwerte reichen von über 70 % bis knapp über 20 %. Lettland führt vor Belgien und Polen. Tschechien folgt auf Platz vier. Italien liegt mit 50,1 % auf Rang sechs, nach 49 % im Jahr 2023. Am Ende der Tabelle stehen Dänemark, Finnland und Frankreich.
| Land | Recyclingquote Kunststoffverpackungen 2024 | Platz |
|---|---|---|
| Lettland | 71,0 % | 1 |
| Belgien | 58,2 % | 2 |
| Polen | 56,0 % | 3 |
| Tschechien | 53,7 % | 4 |
| Italien | 50,1 % | 6 |
| Frankreich | 27,4 % | drittletzter |
| Finnland | 26,9 % | vorletzter |
| Dänemark | 22,5 % | letzter |
Mehrere Spitzenreiter erfüllen das Ziel von 50 % für 2025 schon heute. In der Gruppe stehen kleine und große Märkte aus verschiedenen Regionen, die Größe eines Landes entscheidet also nicht allein. Am anderen Ende liegt Frankreich mit 27,4 %, direkt neben zwei nordischen Ländern. Zypern liegt mit 27,8 % nur knapp vor Frankreich. Eurostat wendet auf alle Mitgliedstaaten dieselbe EU-Methodik an. Die Tabelle lässt sich deshalb über Grenzen hinweg vergleichen.
Wie weit ist das 50-Prozent-Ziel entfernt?
Die Richtlinie 2018/852, mit der die EU-Verpackungsrichtlinie geändert wurde, setzt zwei Recyclingziele für Kunststoffverpackungen: 50 % bis Ende 2025 und 55 % bis 2030. Im Jahr 2024, ein Jahr vor der ersten Frist, lag der EU-Durchschnitt bei 42,4 %. Der jüngste Zuwachs betrug weniger als einen Prozentpunkt. Ein Schritt dieser Größe würde den Durchschnitt für 2025 deutlich unter 50 % lassen. Welche Länder die Marke erreicht haben, zeigen erst die Daten für 2025.
Der Rechtsrahmen hat sich inzwischen verändert. Die Verpackungsverordnung PPWR, die EU-Verordnung, die die alte Richtlinie ablöst, trat am 11. Februar 2025 in Kraft und gilt seit dem 12. August 2026. Unser Bericht über die ersten Pflichten und ersten Reibungen unter der PPWR zeigt, was sich im August geändert hat. Die wichtigsten verpflichtenden Rezyklatanteile in Kunststoffverpackungen beginnen grundsätzlich am 1. Januar 2030.
Getränkeflaschen laufen bereits auf einer eigenen Schiene. Die Regeln für 25 % Rezyklat in PET-Flaschen als nationalen Durchschnitt schaffen schon heute Nachfrage nach gesammeltem PET. Für andere Verpackungen kommt der Sog durch Rezyklatquoten später als die Recyclingfrist 2025.
Zwei Lesarten derselben Daten
Hersteller und Umweltverbände ziehen aus der Veröffentlichung unterschiedliche Schlüsse. Katharina Schlegel Thummer, Direktorin für Zirkularität bei Plastics Europe, sagte: „Plastic packaging waste per capita reflects a complex reality“. Der Pro-Kopf-Wert bilde also eine vielschichtige Lage ab. Lauriane Veillard, Policy Officer bei Zero Waste Europe, verwies auf den Zehnjahrestrend: „While recycling increases, the amount of virgin production increases even more“. Das Recycling wachse, die Neuproduktion aber noch stärker. Zugleich sprach sie sich für Pfandsysteme aus: „DRS is an effective tool to support high-quality collection that is key to supporting high-quality recycling.“ Ein Pfandsystem sichere eine saubere Sammlung, und die sei Voraussetzung für hochwertiges Recycling.
Der zweite Engpass sind die Anlagen. Plastics Recyclers Europe meldete Ende 2025, dass Europa in rund drei Jahren fast 1 Mio. Tonnen Recyclingkapazität verloren hat. Vorläufige Daten für 2025 zeigten, dass sich die Schließungen beschleunigen. Als Gründe nannte der Verband hohe Betriebskosten und eine schwache Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Neuware und billigeren Importen. Die Daten von Plastics Europe zum stockenden Kunststoffkreislauf weisen in dieselbe Richtung.
Von diesen Werten geht die Branche aus: Jeder EU-Bürger verursacht 35,9 kg Kunststoffverpackungsabfall, 15,3 kg davon werden recycelt. Für 55 % bis 2030 braucht es mehr gesammeltes Material und genug Anlagen in Europa, die es verarbeiten.
Häufige Fragen
Wie hoch war die Recyclingquote für Kunststoffverpackungen in der EU 2024?
Laut Eurostat hat die EU im Jahr 2024 42,4 % ihrer Kunststoffverpackungsabfälle recycelt. Der korrigierte Wert für 2023 liegt bei 41,6 %.
Welche EU-Länder recyceln die meisten Kunststoffverpackungen?
Lettland führt mit 71,0 %, gefolgt von Belgien mit 58,2 %, Polen mit 56,0 % und Tschechien mit 53,7 %. Die niedrigsten Quoten haben Dänemark (22,5 %), Finnland (26,9 %) und Frankreich (27,4 %).
Welche EU-Ziele gelten für das Recycling von Kunststoffverpackungen?
Die Richtlinie 2018/852 verlangt 50 % Recycling bei Kunststoffverpackungen bis Ende 2025 und 55 % bis 2030. Der EU-Durchschnitt lag 2024 bei 42,4 %.